Zielgruppe definieren klingt zunächst einfach, ist aber eine oft unterschätzte Aufgabe bei der viele Selbständige ins Stolpern geraten. Denn Alter, Beruf und Interessen deiner potenziellen Zielgruppe sind zwar schnell festgelegt, aber nur wenn du genau weißt, wen du wirklich erreichen möchtest, kannst du deine Inhalte, dein Angebot und deine Positionierung gezielt darauf ausrichten. In diesem Beitrag erfährst du, worauf es bei der Zielgruppendefinition wirklich ankommt und wie du eine Zielgruppe findest, die zu deinem Angebot und deinem Business passt.
Zielgruppe definieren: Eine Zielgruppe ist mehr als Alter und Wohnort
Wenn du nach „Zielgruppe definieren“ suchst, findest du meist dieselben Empfehlungen: Alter, Geschlecht, Einkommen, Familienstand, Interessen und Kaufverhalten analysieren. Am Ende hast du eine Persona wie „42 Jahre alt, lebt in der Stadt, mittleres Einkommen und interessiert sich für persönliche Weiterentwicklung“. Das ist nicht falsch und für große Unternehmen und anonyme Massenmärkte kann diese Art der Zielgruppendefinition sinnvoll sein. Für Coaches, Berater und Dienstleister reicht sie in der Regel jedoch nicht aus.
Denn als Coach, Berater oder Dienstleister lebt dein Business meist von persönlichen Beziehungen. Du sprichst direkt mit deinen Kunden, begleitest sie über Wochen oder Monate und wirst selbst zu einem wichtigen Teil des Angebots. Wenn du deine Zielgruppe definieren möchtest, musst du deshalb mehr wissen als Alter und Wohnort. Du musst verstehen, welche Probleme deine Wunschkunden haben, was sie beschäftigt, wonach sie suchen und warum sie sich für dich entscheiden sollten.
Was ist eine Zielgruppe?
Eine Zielgruppe beschreibt die Menschen, die du mit deinem Angebot erreichen möchtest und für die deine Leistung relevant ist. Dabei geht es nicht nur um offensichtliche Merkmale wie Alter, Beruf oder Geschlecht. Viel entscheidender ist, was diese Menschen verbindet: ihre Situation, ihre Herausforderungen, ihre Wünsche und die Gründe, aus denen sie nach einer Lösung suchen. Gerade beim definieren der eigenen Zielgruppe lohnt es sich deshalb, genauer hinzusehen. Denn zwei Menschen können beispielsweise denselben Beruf haben und trotzdem völlig unterschiedliche Erwartungen an ein Coaching mitbringen. Die eigentliche Zielgruppe entsteht dort, wo sich bestimmte Bedürfnisse und Herausforderungen überschneiden. Für Coaches und Berater ist diese Klarheit besonders wichtig. Sie bildet die Grundlage dafür, Angebote gezielt auszurichten und Menschen mit einer Kommunikation zu erreichen, in der sie sich wirklich wiedererkennen.
Wenn mich jemand fragt, was seine Zielgruppe ist, antworte ich meist ganz einfach: Deine Zielgruppe sind die Menschen, deren wichtigstes Problem du lösen kannst und für die du genau deshalb die richtige Anlaufstelle bist. Damit das überhaupt passieren kann, müssen aber drei Dinge zusammenkommen.
- Deine Zielgruppe muss zu deiner Persönlichkeit passen, weil du als Coach, Berater oder Dienstleister eben nicht anonym an eine Masse verkaufst, sondern direkt mit diesen Menschen arbeitest. Wenn die persönliche Ebene nicht stimmt, wird die Zusammenarbeit anstrengend, egal wie gut du fachlich bist.
- Sie muss zu deinen Fähigkeiten passen. Diese Menschen müssen vor einer Herausforderung stehen, welche genau in deinem Bereich liegt, also ein Problem, das du mit dem, was du wirklich kannst, auch zuverlässig lösen kannst.
- Und du musst ihre Wünsche, Bedürfnisse und Herausforderungen in der Tiefe kennen, nicht bloß ungefähr. Denn erst darauf baust du dein Angebot auf und nicht umgekehrt.
Daran lässt sich auch erkennen, ob du bereits eine Zielgruppe definiert hast oder lediglich eine Personengruppe beschreibst. Eine Zielgruppe entsteht dort, wo das Problem dieser Menschen auf deine Fähigkeiten und deine persönliche Art zu arbeiten trifft und daraus eine Lösung entsteht, die ihre Bedürfnisse erfüllt. Alter, Beruf, Geschlecht und Interessen können dabei helfen, ein Bild zu zeichnen. Sie sind aber noch keine Zielgruppe, denn Merkmale beschreiben Menschen. Erst ein relevantes Problem, deine passende Lösung und die richtige Verbindung zwischen euch machen daraus eine Zielgruppe.
Die richtige Zielgruppe
Grundsätzlich ist jeder Mensch auf dieser Welt eine Zielgruppe. Irgendjemand hat für jeden von uns ein passendes Angebot. Die Frage ist halt nicht, ob es eine Zielgruppe gibt, sondern ob es die richtige für dich ist. Und da kommen auch wieder drei Dinge zusammen, die alle erfüllt sein müssen. Erstens muss die Sache wirtschaftlich funktionieren. Die Menschen müssen sich das, was du anbietest, leisten können und sie müssen auch bereit sein, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Zweitens musst du sie auch erreichen können. Die beste Zielgruppe bringt dir nichts, wenn du keinen Zugang zu ihr hast, weder über dein Netzwerk noch über einen Kanal, auf dem sie sich tatsächlich aufhält. Genau hier kann auch eine Online Marketing Beratung eine wichtige Rolle spielen, denn die richtige Strategie hilft dir dabei, deine Zielgruppe gezielt dort zu erreichen, wo sie tatsächlich nach deinen Leistungen sucht. Und drittens, und das wird meiner Erfahrung nach am häufigsten übersehen, muss deine Zielgruppe auch zu dir als Person passen. Die Menschen, mit denen du arbeiten möchtest, sollten deine Art verstehen, deinen Kommunikationsstil mögen und sich bei dir gut aufgehoben fühlen. Im besten Fall entsteht eine Verbindung, bei der beide Seiten merken, dass es passt.
Gibt es falsche Zielgruppen?
Diese Frage bekomme ich oft und ehrlich gesagt lautet meine Antwort nein. Es gibt keine Zielgruppe, die grundsätzlich nicht funktioniert. Es gibt nur Angebote, die nicht zur Zielgruppe passen. Nimm als Beispiel einen Businesscoach, der ein hochpreisiges Einzelcoaching verkaufen will und damit Menschen anspricht, die gerade erst in die Selbstständigkeit starten. Das wird schwierig, weil diese Menschen die finanziellen Mittel dafür schlicht noch nicht haben. Das Problem liegt aber nicht an der Zielgruppe per se. Es liegt daran, dass das Angebot einfach nicht zur Zielgruppe passt.
Wenn die Zielgruppe nicht passt, hast du zwei Möglichkeiten:
- Du änderst deine Zielgruppe. Statt Gründern sprichst du z.B. Selbstständige an, die schon ein paar Jahre unterwegs sind und bei denen das Budget vorhanden ist.
- Du passt dein Angebot an. Statt des hochpreisigen Einzelcoachings baust du ein Gruppenprogramm oder einen Selbstlernkurs, mit dem du genau diese Menschen dorthin führst, wo das größere Investment für sie überhaupt erst Sinn ergibt.
Merke: Deine Beratung, dein Coaching oder dein Produkt muss zur Lebenssituation deiner Zielgruppe passen. Nicht umgekehrt.
Wenn deine Zielgruppe ihr Problem noch nicht kennt
Nicht jeder Mensch, der grundsätzlich von deinem Angebot profitieren könnte, ist auch gleich gut erreichbar. Besonders anspruchsvoll wird es beispielsweise bei Menschen, die noch gar nicht wissen, dass sie ein Problem haben. Du kannst ihnen schließlich keine Lösung anbieten, wenn sie selbst noch keinen Grund sehen, etwas zu verändern. Bevor du über dein Angebot sprechen kannst, musst du zunächst einmal Aufmerksamkeit für das Problem schaffen. Um diesen Unterschied besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf ein Modell aus dem Copywriting. Der amerikanische Werbetexter Eugene Schwartz beschreibt in seinem 1966 erschienenen Buch Breakthrough Advertising fünf Bewusstseinsstufen, die Menschen auf dem Weg zu einer Kaufentscheidung durchlaufen. Vereinfacht gesagt gilt: Je weniger jemand über sein Problem und mögliche Lösungen weiß, desto mehr Überzeugungsarbeit ist notwendig.
Die fünf Bewusstseinsstufen sehen so aus:
- Unbewusst. Diese Menschen haben ein Problem, aber es ist ihnen nicht bewusst. Sie suchen deshalb auch nach nichts und wollen auch nichts verändern.
- Problembewusst. Diese Gruppe erkennt, dass etwas nicht funktioniert oder sie vor einer Herausforderung steht. Welche Lösung sie braucht, weiß sie jedoch noch nicht.
- Lösungsbewusst. Die Personen wissen bereits, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, ihr Problem zu lösen. Sie beginnen, sich mit unterschiedlichen Ansätzen auseinanderzusetzen.
- Produktbewusst. Sie kennen konkrete Angebote oder Anbieter und prüfen, welches davon am besten zu ihnen passt.
- Kaufbereit. Die Entscheidung für einen Anbieter ist im Grunde gefallen. Es geht nur noch um Details wie Preis, Ablauf oder Verfügbarkeit.
Wo solltest du deine Zielgruppe abholen?
Natürlich kannst du Menschen auf der ersten Stufe erreichen. Aber du musst dafür wesentlich mehr leisten. Zuerst musst du ihnen überhaupt bewusst machen, dass ein Problem besteht. Danach musst du zeigen, warum es relevant ist, eine Veränderung anzustreben und schließlich erklären, welche Lösung dafür infrage kommt. Das bedeutet mehr Zeit, mehr Inhalte und häufig auch ein deutlich höheres Marketingbudget. Für die meisten kleineren Unternehmen, Selbstständigen, Coaches und Berater ist es deshalb sinnvoller, dort anzusetzen, wo bereits ein gewisses Problembewusstsein vorhanden ist. Menschen auf der zweiten und dritten Stufe wissen bereits, dass etwas nicht so funktioniert, wie sie es sich wünschen, und sind offen dafür, etwas daran zu verändern.
Genau hier können gute Inhalte besonders viel bewirken. Du musst nicht erst ein Problem erfinden oder jemanden davon überzeugen, dass er eine Veränderung braucht. Du kannst direkt dort ansetzen, wo die Person gerade steht, ihre Situation aufgreifen und zeigen, wie dein Ansatz sie weiterbringen kann.
Ein Beispiel aus unserer eigenen Arbeit
Auch bei der Banana Marketing OG haben wir uns irgendwann ganz bewusst dafür entschieden, Coaches und Berater als unsere Zielgruppe zu definieren. Für uns war dabei nicht ausschlaggebend, dass es eine besonders große Zielgruppe ist. Entscheidend war, dass vieles zusammenpasst. Wir arbeiten seit Jahren mit Coaches und Beratern und kennen dadurch ihre Herausforderungen aus der Praxis. Wir wissen, wo es bei den Webseiten für Coaches und Beratern, der Positionierung und dem Marketing häufig hakt, welche Fragen immer wieder auftauchen und was es braucht, damit aus Sichtbarkeit tatsächlich Anfragen entstehen. Dazu kommen konkrete Projekte und Ergebnisse, anhand derer wir zeigen können, was wir leisten.
Genauso wichtig ist für uns aber der persönliche Zugang. Wir stehen laufend mit Menschen aus dieser Zielgruppe im Austausch, haben uns ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut und bekommen dadurch direkt mit, was sie beschäftigt, welche Ziele sie verfolgen und wo sie gerade Unterstützung benötigen. Darum war für uns relativ schnell klar: Wir können diese Menschen fachlich unterstützen, wir verstehen ihre Herausforderungen und wir arbeiten gleichzeitig gerne mit ihnen zusammen. Und genau diese Kombination war für uns der entscheidende Punkt bei der Wahl unserer Zielgruppe. Wir haben nicht einfach eine Personengruppe ausgewählt, die auf dem Papier interessant aussieht. Wir haben eine Zielgruppe gefunden, bei der unsere Erfahrung, unsere Fähigkeiten, unser Zugang und unsere Art zu arbeiten zusammenpassen.
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Hier greift alles ineinander: Positionierung, Funnel und Traffic, individuell auf dich, deine Zielgruppe und dein Angebot zugeschnitten. Ein laufendes System, das dir qualifizierte Erstgespräche in den Kalender bringt.
Wie analysiere ich eine Zielgruppe richtig?
Wenn du deine Zielgruppe wirklich kennenlernen möchtest, musst du drei Dinge herausfinden: Wo stehen diese Menschen heute, wo wollen sie hin und was hält sie davon ab, dieses Ziel zu erreichen? Genau diese drei Bereiche gilt es zu analysieren und in der Tiefe zu verstehen.
Bereich 1: Wo steht deine Zielgruppe gerade?
Hier geht es nicht darum, wo diese Menschen wohnen, sondern wie ihre aktuelle Situation in genau dem Bereich aussieht, in dem du ihnen weiterhelfen willst. Was läuft gerade? Was haben sie schon probiert? Was funktioniert und was eben nicht? Dazu gehören zwei Punkte, die viele auslassen. Wie sieht die Kaufkraft aus, also können und wollen diese Menschen für eine Lösung überhaupt Geld ausgeben? Und auf welcher Bewusstseinsstufe stehen sie, also wissen sie schon, dass sie ein Problem haben oder wissen sie sogar schon, welche Art von Lösung sie brauchen?
Bereich 2: Wo will deine Zielgruppe hin?
Der zweite Bereich ist das Ziel. Und auch hier reicht die erste Antwort nie. Was wollen diese Menschen wirklich erreichen? Was ist ihnen dabei wichtig und warum eigentlich? Eine Frage, die dabei richtig viel bringt: Wie wichtig ist dieses Ziel auf einer Skala von eins bis zehn? Denn ein Ziel, das bei einer Vier liegt, wird niemand bezahlen. Ein Ziel bei einer Neun schon.
Bereich 3: Welche Herausforderungen stehen im Weg?
Der dritte Bereich ist der wichtigste und gleichzeitig der, bei dem die meisten an der Oberfläche bleiben. Warum ist die Person noch nicht dort, wo sie hinwill? Und dann noch einen Schritt weiter: Warum hat sie diese Herausforderung überhaupt? Nimm ein einfaches Beispiel. Jemand sagt dir, dass er zu wenig Kunden hat. Das ist eine Aussage, mit der du gar nichts anfangen kannst. Also fragst du nach. Warum hast du zu wenig Kunden? Was hast du bisher versucht? Warum hat das nicht funktioniert? Liegt es an der Sichtbarkeit, am Angebot, am Preis oder an den Gesprächen? Erst da unten liegt die eigentliche Herausforderung und genau dort setzt später dein Angebot an.
Das Werkzeug dafür: die 3×3 Methode
Um in diese Tiefe zu kommen, verwende ich in jedem Gespräch dieselben drei Fragen:
- Wo stehst du gerade?
- Wo willst du hin?
- Was sind die Herausforderungen auf dem Weg?
Und bei jeder Antwort frage ich nach: Warum ist das so? Mit jedem Warum geht es eine Ebene tiefer. Nach der dritten Runde hast du nicht mehr die Oberfläche, sondern das echte Thema.
Woher bekommst du diese Informationen?
Echte Gespräche mit echten Menschen. Das ist mit Abstand der effektivste Weg und durch nichts zu ersetzen. Such dir Menschen aus deiner potenziellen Zielgruppe und mach mit ihnen ein Gespräch aus. Über LinkedIn, über Social Media, über dein bestehendes Netzwerk, über Veranstaltungen oder über gemeinsame Kontakte. Du wirst überrascht sein, wie viele zusagen. Es geht ja nicht um ein Verkaufsgespräch, sondern darum, dass du ehrlich zuhören willst. Und genau in diesen Gesprächen gehst du dann mit der 3×3 Methode in die Tiefe.
Deine bestehenden Kunden sind die zweitbeste Quelle. Geh mit denselben drei Fragen rückwärts durch die Zusammenarbeit. Wo bist du gestanden, bevor wir angefangen haben? Wo wolltest du hin? Was ist dir damals im Weg gestanden? Diese Antworten sind Gold wert, weil sie von Menschen kommen, die tatsächlich gekauft haben.
Rezensionen und Bewertungen liefern dir ehrliches Feedback. Such dir ausführlich geschriebene Rezensionen aus deinem Themenbereich und lies sie mit derselben Brille. Wo ist diese Person gestanden, wo wollte sie hin und was ist ihr im Weg gestanden? Menschen schreiben in Bewertungen oft deutlich offener als in einem Gespräch.
KI hilft dir bei der Grundausrichtung. Für eine erste Orientierung, welche Themen es in deinem Bereich überhaupt gibt, ist KI (Künstliche Intelligenz) ein gutes Werkzeug. Aber eben nur für die Grundausrichtung. Die echten Antworten bekommst du von echten Menschen und nicht aus einer Zusammenfassung.
Wie viele Gespräche brauchst du?
Daumen mal Pi würde ich sagen, du solltest mindestens 30 Gespräche führen. Mehr ist immer besser, aber ab ungefähr 30 Gesprächen siehst du Häufigkeiten. Du merkst, dass dieselben Sätze immer wieder fallen, dieselben Hürden immer wieder auftauchen und dieselben Ziele immer wieder genannt werden. Genau das brauchst du. Denn wenn du die drei Bereiche in der Tiefe beantwortet hast, kannst du zwei Dinge tun, die vorher nicht möglich waren. Du kannst die Transformation klar benennen, also den Weg von der Ausgangssituation zur Zielsituation. Und du kannst dein Angebot so bauen, dass es genau diese Herausforderungen aus dem Weg räumt. Damit sprichst du nicht mehr über dich, sondern über das, was diese Menschen sowieso schon im Kopf haben. Und dann kaufen sie auch.
Zielgruppe vs. Positionierung: Wo liegt der Unterschied?
Eine Zielgruppe zu definieren und sich zu positionieren sind zwei verschiedene Dinge, die eng miteinander verbunden sind, aber nicht dasselbe bedeuten. Genau hier entsteht in der Praxis oft Verwirrung.
Die Zielgruppe beantwortet die Frage: Wen möchte ich erreichen? Es geht darum, welche Menschen du ansprechen möchtest, was sie beschäftigt, welche Herausforderungen sie haben und welches Ergebnis sie sich wünschen.
Die Positionierung hingegen geht einen Schritt weiter und beantwortet die Frage: Warum sollte sich diese Zielgruppe ausgerechnet für mich entscheiden? Sie verbindet deine Persönlichkeit, deine Fähigkeiten und deine Erfahrung mit dem Problem deiner Zielgruppe, deiner Lösung und dem, was dich von anderen unterscheidet.
Du kannst dir die Zielgruppe deshalb als einen zentralen Baustein deiner Positionierung vorstellen. Wenn du deine Zielgruppe definieren möchtest, legst du fest, für wen du relevant sein willst. Bei deiner Positionierung z.B. bei der Positionierung als Coach oder Berater geht es anschließend darum, wofür du bei genau diesen Menschen stehen möchtest und warum du die richtige Person für ihr Problem bist. Eine klare Zielgruppe macht also noch keine Positionierung. Aber ohne eine klar definierte Zielgruppe bleibt auch deine Positionierung schnell zu allgemein. Beides gehört zusammen, erfüllt aber eine unterschiedliche Aufgabe.
Schritt für Schritt die richtige Zielgruppe definieren
Wenn du deine Zielgruppe definieren willst, reicht es nicht, ein paar Merkmale zusammenzutragen und daraus eine Persona zu bauen. Eine wirklich passende Zielgruppe entsteht erst, wenn du dich selbst kennst, deine Fähigkeiten einschätzen kannst und überprüfst, welche Menschen tatsächlich zu dir und deinem Angebot passen. Die Reihenfolge der folgenden sieben Schritte ist dabei bewusst gewählt. Jeder Schritt liefert Erkenntnisse für den nächsten. Denn wenn du zum Beispiel bei Schritt vier anfängst, bekommst du eventuell Antworten, mit denen du später nichts anfangen kannst.
Schritt 1: Kläre deine Persönlichkeit
Bevor du dich mit deiner Zielgruppe beschäftigst, solltest du dich mit dir selbst beschäftigen. Welche Werte sind dir wichtig? Warum machst du, was du machst? Was gibt dir Energie und welche Art der Zusammenarbeit macht dir wirklich Freude? Auch praktische Fragen gehören dazu. Arbeitest du lieber online oder persönlich? Mit Einzelpersonen oder Gruppen? Entwickelst du lieber Strategien oder begleitest du Menschen bei der Umsetzung? Und mindestens genauso wichtig: Mit welchen Menschen arbeitest du gerne und bei welchen merkst du schon nach kurzer Zeit, dass es nicht passt? Das ist keine nette Selbstreflexion am Rand. Du wirst mit deiner Zielgruppe eng zusammenarbeiten. Deshalb sollte sie nicht nur fachlich zu dir passen, sondern auch menschlich.
Schritt 2: Finde heraus, was du wirklich gut kannst
Jetzt kommt alles auf den Tisch, was du kannst. Deine Ausbildung, deine fachliche Expertise und deine Berufserfahrung gehören genauso dazu wie Fähigkeiten, die du vielleicht längst für selbstverständlich hältst. Vielleicht kannst du komplizierte Sachverhalte verständlich erklären. Vielleicht erkennst du Zusammenhänge schneller als andere. Vielleicht gelingt es dir besonders gut, Menschen ins Handeln zu bringen oder Ordnung in komplexe Situationen zu bringen. Schau auch einmal zurück: Welche Probleme hast du bereits erfolgreich gelöst? Für welche Ergebnisse wurdest du weiterempfohlen? Und bei welchen Aufgaben kommen andere Menschen immer wieder zu dir? Gerade dort liegen oft deine stärksten Fähigkeiten und damit wichtige Hinweise darauf, welche Zielgruppe zu dir passen könnte.
Schritt 3: Formuliere eine erste Hypothese
Aus deiner Persönlichkeit und deinen Fähigkeiten ergeben sich meist mehrere mögliche Zielgruppen. Vielleicht verschiedene Branchen, Berufsgruppen oder Lebenssituationen. Vergleiche diese Möglichkeiten miteinander und prüfe, wo die größte Schnittmenge entsteht. Am Ende ist das abernoch keine endgültige Entscheidung. Du formulierst zunächst eine Hypothese. Du wählst einen Bereich aus, den du im nächsten Schritt genauer untersuchen möchtest. Denn eine Zielgruppe entsteht nicht allein dadurch, dass du sie am Schreibtisch definierst. Sie muss sich auch in der Realität bestätigen.
Schritt 4: Führe echte Gespräche mit potenziellen Kunden
Jetzt gehst du raus. Und zwar nicht mit einer Umfrage, sondern mit echten Gesprächen. Suche Menschen aus deinem gewählten Bereich und frage sie nach ihrer aktuellen Situation, ihren Zielen und ihren Herausforderungen. Kontakte kannst du über LinkedIn, dein eigenes Netzwerk, Veranstaltungen oder gemeinsame Kontakte finden. Am Ende geht es hier vor allem ums Zuhören. Nicht darum, deine eigene Lösung zu erklären.
In diesen Gesprächen arbeitest du mit der 3×3 Methode:
- Wo stehst du gerade?
- Wo willst du hin?
- Was sind die Herausforderungen auf dem Weg?
Und bei jeder Antwort fragst du dreimal nach: Warum ist das so? Die erste Antwort ist immer die Oberfläche. Erst nach der dritten Runde kommst du an das, was diese Menschen wirklich beschäftigt.
Schritt 5: Erkenne die Muster
Nach einigen Gesprächen wirst du feststellen, dass bestimmte Aussagen immer wieder auftauchen. Die gleichen Probleme. Die gleichen Wünsche. Die gleichen Einwände. Und häufig sogar fast identische Formulierungen. Genau diese Wiederholungen sind besonders wertvoll. Schreib sie auf und achte darauf, wie deine Zielgruppe selbst ihre Situation beschreibt. Diese Sprache ist später bares Geld wert. Denn wenn du auf deiner Website, in deinen Inhalten oder bei Google genau die Begriffe verwendest, nach denen deine Zielgruppe sucht und selbst verwendet, sprichst du nicht über sie, sondern direkt mit ihr.
Schritt 6: Prüfe, ob die Zielgruppe auch wirtschaftlich funktioniert
Jetzt kommt der nüchterne Teil. Eine Zielgruppe kann perfekt zu dir passen und trotzdem wirtschaftlich nicht funktionieren. Deshalb solltest du drei Fragen ehrlich beantworten: Können diese Menschen für eine Lösung bezahlen? Wollen sie dafür Geld ausgeben? Und kannst du sie zuverlässig erreichen?
Auch die Größe des Marktes spielt eine Rolle. Wenn nur wenige Menschen dein Angebot brauchen oder bereit sind, dafür Geld auszugeben, wird es schwierig, daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.
Tipp: Eine Keyword Recherche kann dir dabei eine erste Orientierung geben. Wenn du weißt, wonach deine potenzielle Zielgruppe sucht, kannst du prüfen, wie häufig nach relevanten Begriffen rund um dein Angebot gesucht wird und wie sich das Suchvolumen in unterschiedlichen Regionen unterscheidet. Das liefert dir zwar keine Garantie für den wirtschaftlichen Erfolg, aber einen guten Hinweis darauf, ob überhaupt ein konkretes Suchinteresse für dein Angebot besteht.
Stellst du dabei fest, dass das Potenzial begrenzt ist, musst du deine bisherige Arbeit nicht gleich verwerfen. Vielleicht lohnt es sich, die Zielgruppe etwas weiter zu fassen, einen verwandten Bereich einzubeziehen oder dein Angebot stärker an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Schritt 7: Leg deine Zielgruppe fest und formuliere einen klaren Satz
Zum Schluss formulierst du das Ergebnis. Ein Satz, der beschreibt, wem du bei welchem Problem hilfst und wohin du diese Menschen bringst. Der Test dafür ist einfach. Sag diesen Satz jemandem aus deiner Zielgruppe. Wenn die Person sofort weiß, ob sie gemeint ist, hast du es. Wenn sie nachfragen muss, geh nochmal eine Runde.
Die größten Fehler bei der Zielgruppendefinition
Wie du Schritt für Schritt eine Zielgruppe richtig definierst, hast du gerade erfahren. Jetzt schauen wir uns die andere Seite an: Was kann dabei schiefgehen? Denn selbst wenn du den richtigen Prozess kennst, gibt es einige typische Fehler, die dazu führen, dass deine Zielgruppe am Ende trotzdem zu unklar, zu groß oder schlicht nicht passend ist.
Fehler 1: Die Zielgruppe ist zu breit gefasst
Der Klassiker beim Zielgruppe definieren. Aus Angst, jemanden auszuschließen, wird die Zielgruppe immer weiter gefasst. Am Ende entstehen Aussagen wie: „Ich arbeite mit Menschen, die sich weiterentwickeln möchten.“ Damit schließt du tatsächlich niemanden aus. Das Problem ist nur: Du gibst auch niemandem einen Grund, sich angesprochen zu fühlen. Deine Inhalte bleiben allgemein, deine Beispiele treffen selten den konkreten Alltag deiner potenziellen Kunden und in Gesprächen musst du immer wieder erklären, was du eigentlich anbietest. Noch schwieriger wird es bei Empfehlungen. Wenn niemand genau sagen kann, für wen du die richtige Anlaufstelle bist, wird dich auch kaum jemand gezielt weiterempfehlen.
Merke: Wenn du alle erreichen möchtest, wirst du am Ende für niemanden wirklich relevant sein.
Fehler 2: Die Zielgruppe wird am Schreibtisch erfunden statt im Gespräch gefunden
Der zweite große Fehler passiert im stillen Kämmerlein. Da wird eine Vorlage heruntergeladen, ein Kundenavatar ausgefüllt, ein Name vergeben, ein Stockfoto danebengelegt und fertig ist die Zielgruppe. Alter 45, Beruf Abteilungsleiter, Hobbys Wandern und Kochen. Das Problem dabei ist, dass du dir gerade eine Person ausgedacht hast. Du weißt jetzt nichts über echte Menschen, sondern nur über deine eigene Vorstellung von ihnen. In der Praxis führt das dazu, dass deine Botschaften an der Realität vorbeigehen, ohne dass du es überhaupt merkst.
Und es gibt noch eine weitere Variante davon, die noch häufiger vorkommt. Wenn man sich seine Zielgruppe alleine am Schreibtisch ausdenkt, dann beschreibt man am Ende meistens sich selbst von vor ein paar Jahren. Also genau die Person, die man damals war, bevor man das eigene Problem gelöst hat. Das fühlt sich sehr stimmig an, weil man diese Situation ja wirklich kennt. Es ist aber trotzdem keine Zielgruppenanalyse, sondern eine Erinnerung. Auf dieses Thema gehe ich gleich beim nächsten Fehler noch genauer ein. Merke dir für den Moment aber, dass eine Zielgruppe nicht erfunden, sondern gefunden wird, und zwar im Gespräch.
Fehler 3: Du entwickelst zuerst dein Angebot und suchst danach die Zielgruppe
Das ist einer der teuersten Fehler, weil er oft erst nach Monaten sichtbar wird. Jemand entwickelt ein Coaching, einen Kurs oder ein Beratungsangebot, baut die Inhalte auf und überlegt erst danach, wer das eigentlich kaufen soll. Anschließend beginnt die Suche nach Menschen, denen die Person sein fertiges Angebot verkaufen kann.
Wir gehen bewusst anders vor: Erst verstehen wir die Menschen, dann entwickeln wir das Angebot. Denn dein Angebot sollte nicht davon ausgehen, was du gerne verkaufen möchtest. Es sollte bei einem konkreten Problem, einem echten Bedürfnis und einem gewünschten Ergebnis deiner Zielgruppe ansetzen.
Der Sonderfall: Wenn deine eigene Geschichte zur Zielgruppe wird
Gerade bei Coaches und Beratern begegnet uns eine besondere Variante dieses Fehlers immer wieder. Viele starten ihr Business, weil sie selbst eine schwierige Situation erlebt und dafür eine Lösung gefunden haben. Daraus entsteht der Wunsch, anderen Menschen mit genau diesem Wissen zu helfen. Das ist zunächst eine große Stärke. Du kennst das Problem nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus eigener Erfahrung. Du weißt, wie es sich anfühlt, darin festzustecken, und kennst möglicherweise bereits einen Weg heraus. Die Gefahr beginnt dort, wo aus dieser persönlichen Erfahrung sofort ein fertiges Angebot wird.
Denn nur weil du ein bestimmtes Problem hattest, bedeutet das nicht automatisch, dass es genügend andere Menschen mit demselben Problem gibt, dass sie es genauso wahrnehmen oder dass sie bereit sind, Geld für eine solche Lösung auszugeben. Wenn du deine Zielgruppe definieren möchtest, prüfe zuerst, ob das Problem tatsächlich relevant ist. Sprich mit Menschen, die davon betroffen sind. Finde heraus, wie sie ihre Situation selbst beschreiben, was sie bereits versucht haben und wie wichtig ihnen eine Veränderung wirklich ist.
Merke: Deine eigene Geschichte kann dir zeigen, wo du suchen solltest. Die Menschen selbst zeigen dir, ob du dort auch eine echte Zielgruppe findest.
Fehler 4: Du sprichst die falsche Bewusstseinsstufe an
Der vierte Fehler ist der unsichtbarste, weil man ihn schwer bemerkt. Du kommunizierst mit Menschen, die dein Thema noch gar nicht auf dem Schirm haben. Erinnere dich an die fünf Bewusstseinsstufen von weiter oben. Sie zeigen, dass nicht jeder Mensch mit demselben Problem auch gleich bereit ist, eine Lösung zu suchen oder zu kaufen. Wer noch gar nicht erkannt hat, dass er überhaupt ein Problem hat, wird kaum auf ein konkretes Angebot reagieren. Für diese Person ist dein Thema schlicht noch nicht relevant. Wer dagegen bereits genau weiß, was er braucht und kurz vor dem Kauf steht, möchte nicht erst zehn Minuten lang erklärt bekommen, warum sein Problem existiert. Er möchte wissen, warum deine Lösung die richtige für ihn ist und wie er den nächsten Schritt machen kann.
Die richtigen Fragen für deine Zielgruppenanalyse
An dieser Stelle wollen die meisten eine fertige Liste. Dreißig Fragen zum Ausdrucken, die man dann im Gespräch der Reihe nach abarbeitet. Genau das funktioniert aber nicht. Wer eine Liste abarbeitet, führt kein Gespräch, sondern eine Befragung. Und Menschen antworten in einer Befragung anders als im Gespräch, nämlich kürzer, glatter und deutlich weniger ehrlich.
Die Grundlage bleiben deshalb die drei Fragen aus der 3×3 Methode. Wo stehst du gerade? Wo willst du hin? Was sind die Herausforderungen auf dem Weg? Alles andere entsteht im Gespräch. Die Regel mit dem dreimaligen Nachfragen ist dabei kein Skript, sondern eine Haltung. Sie erinnert dich daran, dass die erste Antwort so gut wie nie die eigentliche Antwort ist. Manchmal ist „Warum ist das so?“ die passende Rückfrage. Oft passt aber etwas anderes viel besser. „Was hast du bisher schon probiert?“ ist so eine Frage. Oder „Was hat dich bisher davon abgehalten?“ Oder ganz einfach: „Erzähl mir mehr davon.“ Auch die Skalenfrage bringt regelmäßig richtig gute Antworten. Auf einer Skala von eins bis zehn, wie wichtig ist dir das? Und dann die entscheidende Rückfrage: Warum ist es eine Sieben und keine Vier?
Merke: Deine Aufgabe im Gespräch ist nicht, Fragen abzuhaken. Deine Aufgabe ist, so lange zuzuhören und nachzufragen, bis du die Situation dieser Person wirklich verstanden hast. Welche Frage dich dorthin bringt, entscheidest du im Moment und nicht vorher am Schreibtisch.
Zielgruppe definieren: Zielgruppen-Persona erstellen
Wenn du deine Zielgruppe definieren willst, wirst du früher oder später über die Begriffe Persona bzw. Kundenavatar stolpern. Beide Begriffe werden gerne verwendet, oft verbunden mit Vorlagen, Steckbriefen und möglichst vielen persönlichen Details. Ehrlich gesagt kann ich die beiden Begriffe kaum noch hören. Nicht, weil dahinter grundsätzlich nichts Sinnvolles steckt. Sondern weil sich viele genau daran aufhängen und dabei das Entscheidende vergessen: Eine Persona soll dir helfen, echte Menschen zu verstehen und nicht eine fiktive Person möglichst detailliert zu beschreiben.
Da wird ein Name vergeben, ein Foto ausgesucht, das Alter festgelegt, der Beruf und das Gehalt eingetragen und überlegt, welche Hobbys die Person wohl hat. Am Ende hängt ein hübscher Steckbrief an der Wand. Nur weißt du dadurch noch lange nicht, was diese Menschen wirklich beschäftigt, was sie erreichen wollen oder warum sie bisher keine Lösung gefunden haben.
Eine wirklich hilfreiche Persona lässt sich für mich deshalb auf die folgenden drei zentralen Fragen reduzieren:
Wo steht diese Person gerade?
Wie sieht ihre aktuelle Situation aus? Was beschäftigt sie? Was hat sie bereits versucht und was funktioniert bisher nicht?
Wo möchte diese Person hin?
Was möchte sie verändern oder erreichen? Was wäre für sie ein wirklich gutes Ergebnis und warum ist dieses Ziel überhaupt wichtig?
Was steht ihr dabei im Weg?
Welche Herausforderungen verhindern, dass sie ihr Ziel erreicht? Und vor allem: Warum bestehen diese Herausforderungen überhaupt?
Wenn du diese drei Bereiche wirklich verstanden hast, brauchst du keinen ausgedachten Kundenavatar mehr. Du weißt, wie deine Zielgruppe denkt, was sie bewegt und wonach sie sucht. Und daraus ergibt sich vieles andere fast automatisch. Du weißt, wo du diese Menschen erreichen kannst, welche Themen für sie relevant sind und welche Fragen deine Inhalte beantworten sollten. Du kannst deine Website auf ihre tatsächliche Situation ausrichten und dein Angebot so entwickeln, dass es an einem echten Bedarf ansetzt.
Beispiele für gute Zielgruppendefinitionen im Coaching
Damit der Unterschied wirklich sichtbar wird, schauen wir uns drei Beispiele an. Das sind bewusst keine echten Kundenfälle, sondern fiktive Beispiele, an denen sich der Unterschied gut zeigen lässt. Auf der einen Seite steht jeweils der klassische Kundenavatar, so wie er in den meisten Vorlagen ausgefüllt wird. Auf der anderen Seite steht dieselbe Zielgruppe, aber mit den drei Fragen in der Tiefe beantwortet.
Beispiel 1: Führungskräfte-Coaching
So sieht der klassische Kundenavatar aus:
Michael, 47 Jahre, Abteilungsleiter in einem mittelständischen Unternehmen mit 200 Mitarbeitern. Verheiratet, zwei Kinder. Jahreseinkommen rund 95.000 Euro. Interessen: Wandern, Fachliteratur, Podcasts. Nutzt LinkedIn und liest Wirtschaftsmagazine.
Damit kannst du im Grunde nichts anfangen. Du weißt jetzt, wie alt Michael ist. Du weißt nicht, warum er dich anrufen sollte.
So sieht dieselbe Zielgruppe richtig definiert aus:
- Wo diese Menschen gerade stehen: Sie sind fachlich in ihre Führungsrolle hineingewachsen, ohne je gelernt zu haben, wie man führt. Meistens waren sie vorher die beste Fachkraft im Team und wurden genau deshalb befördert. Heute arbeiten sie deutlich mehr als ihre Mitarbeiter, weil sie Aufgaben lieber selbst erledigen als sie abzugeben. Zwei Leute haben in den letzten Monaten gekündigt und sie wissen bis heute nicht genau, warum. Abends nehmen sie den Laptop mit nach Hause.
- Wo sie hinwollen: Sie wollen abends nach Hause gehen ohne das Gefühl, dass alles zusammenbricht, wenn sie zwei Wochen ausfallen. Sie wollen ein Team, das Entscheidungen selbst trifft und sie wollen wieder das Gefühl haben, ihre Rolle im Griff zu haben statt von ihr getrieben zu werden.
- Was im Weg steht: Sie glauben, dass Abgeben ein Zeichen von Schwäche ist. Sie haben nie erlebt, wie gute Führung aussieht, weil ihr eigener Chef genauso gearbeitet hat. Und sie trauen sich nicht, Probleme direkt anzusprechen, weil sie Angst vor der Reaktion im Team haben.
Beispiel 2: Verkaufstraining für Selbstständige
So sieht der klassische Kundenavatar aus:
Sandra, 38 Jahre, selbstständige Grafikdesignerin, lebt in einer Großstadt, Umsatz rund 60.000 Euro im Jahr. Nutzt Instagram und LinkedIn. Interessen: Reisen, Yoga, Design.
So sieht dieselbe Zielgruppe richtig definiert aus:
- Wo diese Menschen gerade stehen: Sie sind fachlich richtig gut und bekommen auch Anfragen. Im Gespräch selbst kippt es dann aber. Sie reden zu viel über ihre Leistung, rechtfertigen den Preis, bevor jemand danach gefragt hat und geben am Ende Rabatte, die keiner verlangt hat. Von zehn Gesprächen wird eines zum Auftrag. Nach jedem Gespräch ärgern sie sich über sich selbst.
- Wo sie hinwollen: Sie wollen ohne schlechtes Gefühl über Geld sprechen und ihren Preis nennen können, ohne dabei innerlich zusammenzuzucken. Sie wollen nach einem Gespräch das Gefühl haben, sich nicht verkauft zu haben.
- Was im Weg steht: Sie halten Verkaufen für etwas Unanständiges. Sie haben Angst, als aufdringlich wahrgenommen zu werden. Und sie haben nie gelernt, ein Gespräch zu führen, in dem sie mehr fragen als erklären.
Beispiel 3: Karriere-Coaching
So sieht der klassische Kundenavatar aus:
Thomas, 34 Jahre, Angestellter im IT-Bereich, ledig, wohnt zur Miete, Einkommen 55.000 Euro jährlich. Interessen: Gaming, Fitness, Technik.
So sieht dieselbe Zielgruppe richtig definiert aus:
- Wo diese Menschen gerade stehen: Sie arbeiten seit Jahren im selben Job, oft im technischen Bereich, und wissen, dass sie so nicht weitermachen wollen. Sie bewerben sich sporadisch, bekommen Absagen oder gar keine Rückmeldung und lassen es dann wieder ein halbes Jahr liegen. Was sie eigentlich wollen, können sie nicht in einem Satz sagen. In ihrer Freizeit sind sie eher zurückgezogen unterwegs, viel mit Technik oder Sport beschäftigt und selten in Netzwerken, in denen Jobs vergeben werden.
- Wo sie hinwollen: Sie wollen in einer Position landen, in der sie morgens nicht schon beim Aufstehen an den Feierabend denken. Und sie wollen bei einem Gespräch selbstbewusst auftreten statt sich klein zu machen.
- Was im Weg steht: Sie können nicht benennen, worin sie gut sind, weil ihnen das im Job nie jemand gesagt hat. Sie halten ihre Erfahrung für austauschbar. Und sie fangen erst gar nicht richtig an, weil sie Angst haben, dass ihnen nach dem Wechsel dasselbe wieder passiert.
Was du an diesen Beispielen siehst
Der Unterschied liegt nicht in der Menge an Informationen. Er liegt darin, welche Informationen du hast. Aus einem Kundenavatar mit Alter, Beruf und Hobbys kannst du keinen einzigen Satz für deine Website ableiten. Aus einer Zielgruppendefinition wie in den Beispielen oben kannst du sofort schreiben, sprechen und dein Angebot bauen. Denn jeder einzelne Satz unter „Was im Weg steht“ ist ein fertiges Thema für einen Beitrag, ein Video oder eine Seite auf deiner Website.
Und dann kommt noch ein Schritt dazu, der in keiner Vorlage steht. Leg deine eigene Persönlichkeit und deine Fähigkeiten daneben und prüfe ehrlich, ob das zusammenpasst. Arbeitest du gerne mit diesen Menschen? Passt deine Art zu ihnen? Und kannst du genau diese Herausforderungen zuverlässig lösen? Denn erst wenn deine Seite und ihre Seite zusammenpassen, hast du wirklich deine Zielgruppe gefunden.
Woran du erkennst, dass deine Zielgruppe nicht passt
Es gibt ein paar Signale, die dir ziemlich zuverlässig zeigen, dass mit deiner Zielgruppe etwas nicht stimmt.
Es kommen keine Anfragen. Du bist sichtbar, du produzierst Inhalte, aber es passiert nichts. Wer das Problem einer konkreten Gruppe nicht benennen kann, wird eben überlesen.
Es kommen die falschen Anfragen. Die Gespräche finden statt, aber es sitzen Menschen vor dir, die etwas ganz anderes wollen oder für die dein Angebot schlicht nicht gemacht ist. Am Ende kostet dich das leider richtig viel Zeit.
Du musst dich ständig erklären. Wenn jedes Gespräch damit beginnt, dass du erst einmal ausführlich schilderst, was du eigentlich machst, ist deine Zielgruppe nicht scharf genug.
Du wirst nicht weiterempfohlen. Menschen können dich nur empfehlen, wenn sie in einem Satz sagen können, für wen du der Richtige bist. Bleiben Empfehlungen aus, obwohl deine Kunden zufrieden sind, fehlt genau diese Klarheit.
Die Zusammenarbeit fühlt sich anstrengend an. Du machst die Arbeit, sie funktioniert auch, aber sie kostet dich mehr Energie, als sie dir gibt. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass die Menschen nicht zu deiner Persönlichkeit passen.
Jedes Gespräch endet in einer Preisdiskussion. Wenn ständig über den Preis verhandelt wird, hat der Wert deiner Arbeit die andere Seite nicht erreicht. Oft liegt das daran, dass du Menschen ansprichst, für die dieses Problem gar nicht groß genug ist.
Zielgruppe oder Angebot? So erkennst du was nicht passt
In der Praxis sehen wir am Anfang bei unseren Kunden häufig, dass nach den ersten ausbleibenden Verkäufen vorschnell die Zielgruppe infrage gestellt wird. Das ist verständlich. Schließlich möchte jeder möglichst schnell Umsätze sehen. Bleiben die Anfragen oder Verkäufe aus, wird schnell ungeduldig reagiert und die Zielgruppe gewechselt. Dabei liegt das Problem häufig an einer ganz anderen Stelle.
Nehmen wir ein Beispiel: Du veranstaltest einen kostenlosen Workshop zum Thema „Was tun, wenn zwei Abteilungen aneinander vorbeiarbeiten?“ 40 Menschen melden sich an, 27 nehmen tatsächlich teil. Im Chat kommen konkrete Fragen, die Diskussion ist aktiv und einige Teilnehmer bleiben danach sogar noch für ein persönliches Gespräch. Trotzdem kauft am Ende niemand dein Programm.
Was sagt dir das? Zunächst einmal nicht, dass deine Zielgruppe falsch ist. Im Gegenteil, die Reaktion zeigt, dass du ein relevantes Problem getroffen hast. Die Menschen haben sich angesprochen gefühlt, Zeit investiert, Fragen gestellt und sich mit deinem Thema auseinandergesetzt. Dein Bedarf und deine Ansprache scheinen also zu passen. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf dein Angebot. Vielleicht ist der nächste Schritt zu groß. Vielleicht ist der Preis für diesen Moment zu hoch. Vielleicht löst dein Programm ein anderes Problem als das, welches im Workshop im Vordergrund stand. Oder es fehlt schlicht die logische Verbindung zwischen dem kostenlosen Einstieg und deinem eigentlichen Angebot.
Genau deshalb solltest du beim Zielgruppe definieren nicht nur darauf achten, ob Menschen zu dir passen. Du musst später auch prüfen, ob dein Angebot zu ihrem aktuellen Bedarf und ihrer Situation passt.
Es sagt dir gerade nicht, dass die Zielgruppe falsch ist. Im Gegenteil, alles daran spricht dafür, dass sie stimmt. Die Menschen sind gekommen, sie haben sich angesprochen gefühlt und sie haben mitgemacht. Du hast den Bedarf also richtig erkannt und die Ansprache hat funktioniert. Was nicht gepasst hat, war das Angebot danach. Vielleicht war es zu groß für den Moment, vielleicht zu teuer, vielleicht hat es das falsche Problem gelöst oder es war einfach nicht der nächste logische Schritt für diese Menschen.
Merke: Wenn du einen echten Bedarf erkannt hast und Menschen darauf reagieren, aber die Käufe ausbleiben, dann solltest du nicht vorschnell deine Zielgruppe wechseln. Prüfe zuerst dein Angebot, den Preis, den nächsten Schritt und deine Kommunikation. Eine Zielgruppe neu zu definieren kann dich Monate zurückwerfen. Ein Angebot anzupassen, kann dagegen deutlich schneller gehen.
Fazit: Zielgruppe definieren
Eine Zielgruppe zu definieren bedeutet nicht, am Ende einen möglichst detaillierten Kundenavatar mit Alter, Beruf und Hobbys vorweisen zu können. Es geht darum, die Menschen hinter diesen Merkmalen wirklich zu verstehen: Wo stehen sie, wo wollen sie hin, was hält sie davon ab und was brauchen sie, um den nächsten Schritt zu machen? Genau dieses Verständnis ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Beim Zielgruppen definieren geht es deshalb nicht darum, möglichst viele Merkmale zu sammeln, sondern darum, herauszufinden, was diese Menschen wirklich bewegt. Denn wenn du weißt, für wen du da bist und welche Herausforderungen diese Menschen haben, kannst du deine Inhalte, dein Angebot und deine Kommunikation viel gezielter darauf ausrichten.
Dabei entsteht eine gute Zielgruppe nicht allein am Schreibtisch. Du kannst mit deinen eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen starten, aber erst der Austausch mit echten Menschen zeigt dir, ob deine Annahmen tatsächlich stimmen. Wiederkehrende Probleme, Wünsche, Ziele und Formulierungen helfen dir dabei, deine Zielgruppe immer weiter zu schärfen.
Und du musst dabei nicht von Anfang an alles richtig machen. Eine Zielgruppe ist keine Entscheidung, die du einmal triffst und danach nie wieder hinterfragst. Sie kann sich verändern, wenn du mehr über deine Kunden lernst, neue Erfahrungen sammelst oder feststellst, dass dein Angebot an einer anderen Stelle noch besser funktioniert. Am Ende geht es um eine einfache Verbindung: Du arbeitest gerne mit diesen Menschen, kannst ihre Probleme mit deinen Fähigkeiten lösen und verstehst, was sie wirklich bewegt. Wenn diese drei Dinge zusammenpassen, hast du nicht einfach irgendeine Personengruppe definiert, sondern eine Zielgruppe gefunden, die zu dir und deinem Unternehmen passt.
Und genau dann wird Marketing deutlich einfacher. Du weißt, wen du ansprechen möchtest, welche Themen relevant sind, welches Angebot gebraucht wird und warum diese Menschen gerade bei dir richtig sind.
Über den Autor
Florian Cisek
Mitgründer der Banana Marketing OG | Experte für Webdesign, SEO und Online Marketing
Florian ist neben Andreas Mayr-Stockinger Mitgründer der Banana Marketing OG. Bevor er sich 2022 selbstständig machte, arbeitete er mehr als zehn Jahre bei einem weltweit führenden Sport-Technologie-Unternehmen tätig. Dort war er unter anderem als Teamlead tätig und sammelte fundierte Erfahrung in Softwareentwicklung, Software-Testing, Produktmanagement, Marketing und Mitarbeiterführung.
Heute verbindet Florian seine langjährige Erfahrung mit seiner Expertise in Webdesign, SEO und Google Ads. Als Mitgründer und Gesellschafter der Banana Marketing OG verbindet er dabei die operative Arbeit an digitalen Projekten mit der strategischen Weiterentwicklung der Agentur.

